Nürnberger Nachrichten, 21.01.2010

Gegen graues Winterwetter und trübe Aussichten hilft ein farbenfroher Frühlingsblumenstrauß, wie ihn die Floristin Marion Pfann für uns zusammengestellt hat. Foto: Gerullis

Der Himmel ist bleigrau verhangen. Auf den Straßen liegen Reste schmutzig-matschigen Schnees. Und die weiteren Aussichten? Bewölkt, verbreitet trüb, von Sonne keine Spur. Bonjour, tristesse.

Gegen graues Winterwetter und trübe Aussichten hilft ein farbenfroher Frühlingsblumenstrauß, wie ihn die Floristin Marion Pfann für uns zusammengestellt hat. Gegen graues Winterwetter und trübe Aussichten hilft ein farbenfroher Frühlingsblumenstrauß, wie ihn die Floristin Marion Pfann für uns zusammengestellt hat.

Als Gegengift gegen trübe Stimmung empfiehlt die Ernährungsberaterin der AOK, Christine Filmer, genügend zu essen, vorrangig warme Suppen und Eintöpfe. «Weil man in der feuchten Kälte mehr friert.» Angst vor Kalorien müsse man dabei nicht haben, und auch der Geldbeutel werde geschont, wenn man zu einheimischem Wintergemüse greift.

Karotten, Kürbis, Rosenkohl, Wirsing, Grünkohl und Co. erhalten durch wärmende Gewürze wie Ingwer, Zimt und Currys eine interessante Note. So werde Kochen zum Abenteuer, und die bunte, duftende Mahlzeit befriedige alle Sinne, verspricht die Expertin. Frisches Obst und selbst gepresste Säfte runden das Gute-Laune-Essen ab.

Kann man dem schmuddelwetter-bedingten Stimmungstief mit Hilfe von Vitamintabletten entrinnen? «Nein», sagt Sabine Witte von der Strauß-Apotheke in Mögeldorf. «Tabletten sind kein Allheilmittel.» Die Apothekerin hält nichts von pauschalen Ratschlägen. Sie setzt auf eine individuelle Beratung. «Manchmal hilft auch ein gutes Gespräch, und der Kunde geht raus, ohne etwas gekauft zu haben.» Einen ganz allgemeinen Tipp aber hat die Apothekerin doch noch: Wohlfühltees trinken.

Sich gründlich verwöhnen, das ist auch für den Personaltrainer Dirk van der Klock der Stimmungsaufheller Nummer 1. Seine Empfehlung: Bei Sauwetter ins Schwimmbad und in die Sauna. «Zwei Wellnesstage in der Woche wären jetzt ideal, am besten mit Freunden.» Herz-Kreislauf-Training zu zweit, auch wenn es draußen ungemütlich ist, und hernach ein Vitamincocktail - ein Halali auf die schlechte Laune, das sie kaum übersteht.

Sich allein zuhause zu verkriechen, hält van der Klock für kontraproduktiv. Sein Zauberwort heißt «Gruppenbildung» - mit anderen etwas unternehmen, das sinnvoll ist und Spaß macht. «Vielleicht einfach auch mal Kollegen fragen, mit denen man bisher noch wenig Kontakt hatte.»

Ein ganz besonderes Tête-à-Tête zur Erbauung in trüben Tagen empfiehlt Georg Pfann vom gleichnamigen Blumengeschäft in der Ostendstraße: Tête-à-Tête, das sind quietschgelbe Mininarzissen. Sie bringen zusammen mit Primeln, Ranunkeln, Hyazinthen, Annemonen, Tulpen und Ginster jede Menge leuchtender Farben ins Haus. Bei so vielen Frühlingsboten auf einmal bleibt für schlechte Laune kein Platz mehr.

Schuld an dem Stimmungstief in dunkler Jahreszeit ist ein Ungleichgewicht der Hormone, bedingt durch die reduzierte Sonneneinstrahlung und den damit verbundenen Lichtmangel. Der menschliche Körper produziert weniger «Stimmungshormone» und schüttet somit weniger «Glückshormone» - Serotonin, Endorphin und Dopamin - aus. Gleichzeitig wird, bedingt durch die Dunkelheit, vermehrt Melatonin produziert - jenes Hormon also, das müde macht.

«Licht wirkt sich auf die Stimmung aus», sagt der Chefarzt der Klink für Psychiatrie und Psychotherapie am Nordklinikum, Dr. Dr. Günter Niklewski. Deshalb werde insbesondere bei der sogenannten «saisonalen Depression» unter anderem auch mit Lichttherapie behandelt. Eine Leistung, die nicht von allen Krankenkassen bezahlt wird.

Stimmungsschwankungen sind aus Sicht des Mediziners nicht per se ein Krankheitsbild. «Stimmungsschwankungen gehören zum Leben», betont Niklewski. «Sie sind wichtig und gut.»

 
© 2012 Dirk van der Klok